Vom FSJ zur Werkstudentin: Wenn aus einem Einsatz ein Herzensort wird
Was macht einen Arbeitsplatz zu einem Ort, an den man gerne zurückkehrt? Im Kinderheim Merkstein sind es vor allem die Menschen und die Beziehungen, die den Alltag prägen. Pädagogische Arbeit bedeutet hier nicht nur, Kinder und Jugendliche im Alltag zu begleiten. Es geht auch darum, Vertrauen aufzubauen, zuzuhören, gemeinsam Herausforderungen zu bewältigen, Erfolge zu feiern und die Entwicklung der jungen Menschen mitzuerleben.
Für viele Menschen ist ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im Kinderheim eine erste Möglichkeit, die stationäre Kinder- und Jugendhilfe kennenzulernen. Gleichzeitig bietet ein FSJ die Chance, herauszufinden, ob die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen auch beruflich der richtige Weg sein könnte. Denn gerade in der pädagogischen Arbeit sind es oft die alltäglichen Situationen, aus denen besonders wertvolle Erfahrungen entstehen.
Auch Karolina Salaj hat ihren Weg im Kinderheim St. Hermann-Josef begonnen. Nach ihrem FSJ studiert sie heute Soziale Arbeit an der KatHO NRW in Aachen. Doch ihre Verbindung zum Kinderheim ist geblieben: Inzwischen arbeitet sie als Werkstudentin wieder bei uns und verbindet damit ihr Studium mit ihren bisherigen praktischen Erfahrungen.
Ihre Geschichte zeigt, wie prägend die Arbeit in einem Kinderheim sein kann und dass aus einem zeitlich begrenzten FSJ durchaus ein längerfristiger Weg entstehen kann.
Mein Name ist Karolina Salaj, ich bin 20 Jahre alt und studiere an der KatHO NRW in Aachen im ersten Semester soziale Arbeit. Während meines FSJ im Kinderheim St. Hermann Josef durfte ich bereits wertvolle Erfahrungen sammeln und viele schöne Momente mit den Kindern und Jugendlichen erleben. Jeder Tag war etwas Besonderes und ich hatte abends auf dem Nachhauseweg, das Gefühl etwas Sinnvolles getan zu haben.
Die Zeit im FSJ hat mich persönlich und fachlich sehr geprägt. Ich bin in vielen Dingen über mich hinausgewachsen, wobei mir teilweise sogar die Kinder geholfen haben und wir uns gegenseitig Sachen beigebracht haben. Ich habe dabei nicht nur viel über die pädagogische Arbeit gelernt, sondern auch gemerkt, wie wichtig mir die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist. Besonders die persönlichen Beziehungen, das gemeinsame Wachsen und die kleinen Erfolge im Alltag sind Dinge, die mir sehr am Herzen liegen. Es sind viele schöne, besondere Beziehungen entstanden. Besonders schön war anzusehen, wie sich die Kinder und Jugendlichen bei meiner Rückkehr als Werkstudentin ins Kinderheim gefreut haben.
Deshalb habe ich mich sehr gefreut, nach meinem FSJ wieder hierher zurückzukehren – diesmal als Werkstudentin. Ich kenne das Haus, die Abläufe und viele vertraute Gesichter bereits und fühle mich hier sehr wohl. Gleichzeitig kann ich mein Studium mit meinen praktischen Erfahrungen verbinden und das, was ich an der Hochschule lerne, direkt in meinem Arbeitsalltag anwenden.
Die Entscheidung, wieder genau hier zu arbeiten, ist mir deshalb nicht schwergefallen. Während meines FSJ habe ich gemerkt, dass ich mich hier wohlfühle und die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen mir wirklich am Herzen liegt. Ich wollte nicht einfach irgendwo als Werkstudentin anfangen, sondern an einem Ort bleiben, mit dem ich bereits so viele Erfahrungen und schöne Erinnerungen verbinde. Außerdem war es für mich etwas Besonderes zu wissen, dass ich die Kinder und Jugendlichen, die ich während meines FSJ kennengelernt und ins Herz geschlossen habe, weiterhin begleiten und ihre Entwicklung ein Stück miterleben darf. Gleichzeitig kenne ich das Team und weiß, dass ich mich hier aufeinander verlassen kann. Für mich war es daher die perfekte Möglichkeit, meine bisherigen Erfahrungen weiterzuführen und gleichzeitig neben meinem Studium noch mehr praktische Erfahrungen zu sammeln.
Für mich ist es etwas Besonderes, an einen Ort zurückzukehren, an dem ich bereits so viel lernen und erleben durfte. Ich freue mich darauf, weiterhin Teil des Teams zu sein, die Kinder und Jugendlichen ein Stück auf ihrem Weg zu begleiten und dabei selbst immer wieder Neues zu lernen.
Pädagogische Arbeit, die auch die Mitarbeitenden wachsen lässt
Karolinas Geschichte zeigt wie prägend die Menschen und Erlebnisse bei uns sind. Gleichzeitig ist pädagogische Arbeit immer auch ein Lernprozess für die Menschen, die sie ausüben. Gerade für junge Menschen, die über ein FSJ erstmals in die Kinder- und Jugendhilfe hineinschnuppern, kann die praktische Arbeit neue Perspektiven auf die eigene berufliche Zukunft eröffnen.
Die Arbeit im Kinderheim ist verantwortungsvoll und bringt jeden Tag neue Situationen mit sich. Gleichzeitig bietet sie die Möglichkeit, junge Menschen über einen wichtigen Abschnitt ihres Lebens zu begleiten und gemeinsam mit ihnen kleine und große Entwicklungsschritte zu erleben.
Karolinas Weg zeigt dabei beispielhaft, dass ein freiwilliges soziales Jahr nicht zwangsläufig mit dem letzten Arbeitstag endet. Manchmal ist es der Anfang eines Weges, der weiterführt: vom ersten Kennenlernen über das Studium bis hin zur Tätigkeit als Werkstudentin.
Wir freuen uns deshalb besonders, Karolina wieder im Kinderheim Merkstein zu wissen. Ihre Geschichte steht stellvertretend für viele Menschen, die unsere Arbeit kennenlernen, Erfahrungen sammeln und dabei entdecken, wie vielfältig und persönlich die Arbeit in der Kinder- und Jugendhilfe sein kann.