Foto: Au?engel?nde Kinderheim

Wie entstanden wir?

Eine ganz kurze Geschichte des Kinderheims St. Hermann-Josef

[aus: "Spuren" von Peter Kuhn, 1995; S. 34/35]

"Im Jahr 1917 [Anm.: 11. Dezember 1917] wurden zwei Schwestern nach Merkstein gerufen, um 240 Mädchen in der Munitions- und Knopffabrik zu betreuen.

Die Arbeiterinnen hatten Granaten zu füllen, ihre Haut war von Phosphor angegriffen. Sie wußten sicherlich, wie gesundheitsgefährdend ihre Arbeit war, und wahrscheinlich mußten sie beruhigt und getröstet werden. Die Schwestern beklagten allerdings, daß sie nur schwer Kontakt zu ihnen finden konnten.

Bald folgte eine dritte Schwester, die in der Hauptstraße in einer alten Scheune Kleinkinder betreute. Es war der Vorläufer des Kindergartens, den die Schwestern, später in einem eigenen Gebäude, bis 1985 betrieben.
Zur Linderung der Not in den Familien in der schweren Zeit nach dem ersten Weltkrieg kam eine vierte Schwester nach Merkstein. Sie übernahm häusliche Krankenpflege und betreute Sterbende. Mit dem Betrieb der Sozialstation Herzogenrath setzt heute [i.e. 1995!] eine Schwester diese Tradition fort.
1920 wurde der Waisenjunge Johannes in die Obhut der Schwestern gegeben. Diese versorgten ihn und die weiteren ihnen anvertrauten Waisen zunächst nur nebenbei in ihrer beengten Behausung in der Haupt-, Ecke Bungartzstraße, bis 1924 das "Antoniuskloster" am heutigen Standort gebaut wurde. Später mußte das Gebäude um einen gleichgroßen Anbau erweitert werden. 1959 erhielt das Waisenhaus mit der Errichtung der drei Pavillons nicht nur eine moderne Unterkunft, sondern auch eine zeitgemäße innere Struktur. Das wird mit der Umbenennung in "Kinderheim St. Hermann-Josef" im Jahr 1960 verdeutlicht.

Mit einem festlichen Wochenende feierten Kinderheim, Sozialstation und Kindergarten 1992 die Ankunft der Hiltruper Schwestern vor 75 Jahren und ihre hilfreiche Tätigkeit in Merkstein".

Im Mai 2009 sind die letzten zwei Ordensschwestern aus Altersgründen aus ihrem Dienst in unserem Kinderheim ausgeschieden. Damit endete die 92-jährige engagierte Arbeit der Missionsschwestern vom Heiligsten Herzen Jesu aus Münster-Hiltrup.

Ergänzungen zu diesem Artikel:

  1. Die beiden ersten Schwestern aus Hiltrup wohnten in einem Privathaus an der Ecke Haupt-/Bungartzstraße, welches heute abgerissen ist. Dort befindet sich zurzeit ein kleiner Parkplatz.
  2. Die beiden Schwestern übernehmen die Küche in der Munitionsfabrik "Riesler & Cie" in Worm, der späteren Knopffabrik.
  3. Die dritte Hiltruper Schwester Materna eröffnet ebenfalls im Dezember 1917 eine "Bewahrschule" - dies entspricht einem heutigen Kindergarten - für 70 Kinder im Jugendheim; dieses befand sich damals dort, wo heute der Parkplatz vor dem Pfarrhaus liegt.
  4. Im darauf folgenden Jahr 1918 kommen zwei weitere Schwestern von Hiltrup nach Merkstein, wobei eine die Kirchenwäsche übernimmt und die andere als Krankenschwester arbeitet.
  5. Die Pfarre erwirbt das Haus Dauzenberg mit ca. zwei Morgen Garten- und Wiesengelände und baut es zum Antoniuskloster um.
  6. Im November 1918 ziehen die Schwestern ins Antoniuskloster.
  7. Im Februar 1919 eröffnen die Schwestern noch eine Arbeitsschule - vergleichbar mit der heutigen Hauswirtschaftsschule - für 25 junge Frauen und 35 Schulmädchen.
  8. 1921 ziehen die ersten offiziellen Waisenkinder, 11 an der Zahl, in das Waisenhaus im Antoniuskloster ein.